Treffpunkt am frühen Nachmittag am Bahnhof Zermatt. Kurz Wetter, Licht und Plan, dann mit der Standseilbahn hinauf nach Sunnegga auf 2288 Metern. Die Fahrt dauert keine fünf Minuten und geht durch den Berg.
Von dort laufen wir die Seen gegen den Strom. Zuerst der Leisee direkt unter der Station, im Sommer der Badestrand von Zermatt, am späten Nachmittag wieder ruhig. Dann hinunter zum Moosjisee, milchig türkis vom Gletscherwasser des Findelgletschers. Er ist ein Speichersee und damit der einzige künstliche der fünf, was man ihm nicht ansieht und was ihn fotografisch überhaupt nicht schlechter macht.
Weiter zum Grünsee, grün, mit kleinem Sandufer und alten Arven, die sich im Geröll festhalten. Ab hier wird es spürbar leerer. Dann der Grindjisee, klein, hinter einer Moräne versteckt, von Lärchen eingerahmt, mit dem Matterhorn exakt in der Lücke dahinter. Der schönste der fünf, und der, an dem die meisten vorbeilaufen, weil er nicht direkt am Hauptweg liegt.
Der letzte Anstieg führt zum Stellisee auf 2537 Metern. Der von den Postkarten. Wir kommen am späten Nachmittag an, wenn der Betrieb vorbei ist und das Wasser meistens still wird. Hier bleiben wir, und zwar richtig. Das ist kein Fotostopp im Programm, das ist der Punkt des ganzen Tages: die Spiegelung, das Licht, das über die Ostwand wandert, deine Bilder, und Zeit, einfach dazusitzen.
Wenn das Licht weg ist, gehen wir zurück nach Sunnegga und von dort zu Fuss über Findeln hinunter ins Dorf. Findeln ist ein Weiler mit alten, sonnengeschwärzten Walliser Stadeln, und im letzten Licht sieht er aus wie aus einem anderen Jahrhundert. Das Schlussstück in der Dämmerung mit Stirnlampe, auf einem breiten, gut markierten Weg. Zermatt von oben in der blauen Stunde ist nochmal ein eigenes Motiv.
Wie lange wir wo bleiben, entscheidet das Licht und nicht die Uhr.