Glacier Trail Saas Fee

Glacier Trail Saas Fee

Wanderung über den Allalingletscher mit Zwischenstopp an der Britanniahütte

Author: Falko Burghausen
Falko Burghausen
StoriesSeptember 2026

Der Saas Fee Glacier Trail führt vom Mattmarkstausee über zwei Gletscher zur Britanniahütte auf 3'030 m, vorbei an Viertausendern wie Strahlhorn, Rimpfischhorn und Allalinhorn. Eine anspruchsvolle Hochgebirgswanderung mit Gletscherüberquerungen, eindrücklicher Aussicht und einer bewegten Geschichte am Mattmark-Staudamm.

Nach dem Postauto von Saas Grund zum Mattmark Stausee spürt man ziemlich unmittelbar, wie die Zivilisation weniger und die Wildheit der Walliser Alpen mehr wird. Die Vegetation vor den Fenstern des Busses wird spärlicher, die Baumgrenze ist bald erreicht und an der Mattmark Staumauer schon längst überschritten. Auf 2'195 m Höhe begleitet uns nur noch die karge, aber trotzdem schöne Flora der Hochlagen auf den nächsten Kilometern vom See hinauf in Richtung Schwarzbergchopf.

Vom Restaurant Mattmark aus folgen wir zuerst auf einem breiten Fahrweg dem westlichen Seeufer. Nach einem kurzen, nicht allzu dunklen Tunnel begleitet uns wieder die Walliser Sonne auf dem Weg zur Schwarzbergalp auf 2'373 m, wo in den Sommermonaten die Kuhglocken das einzige Geräusch sind, das das Rauschen der Gletscherbäche unterbricht. Hier endet die Fahrstrasse, und der eigentliche Wanderweg beginnt, sich die Ostflanke des Schwarzbergchopf hinaufzuwinden.

Auf der gegenüberliegenden Talseite öffnet sich der Blick auf das Stellihorn, das Almagellerhorn sowie auf die ungewohnt felsige Seite des 4'023 m hohen Weissmies. Der türkisgrüne Mattmarkstausee verschwindet langsam unter uns, während wir stetig an Höhe gewinnen und uns dem Schwarzbergchopf auf 2'869 m nähern, sozusagen dem "Gipfel" des Saas Fee Glacier Trail. Die Blicke folgen dem schwindenden Allalingletscher, der den felsigen Abbrüchen oberhalb des Saastals heute kaum noch gefährlich nahekommt. 1965 war das anders, als sich hier eines der schwersten Unglücke in der modernen Baugeschichte der Schweiz ereignete: Beim Abbruch einer Eislawine verloren 88 Menschen ihr Leben, die auf der Baustelle des Mattmarkstaudamms arbeiteten.

Trotz dieser Tragik lohnt sich der Blick auch auf die Walliser Viertausender, die sich im Westen über dem Allalingletscher auftürmen. Strahlhorn, Rimpfischhorn und das sonst eher unscheinbare Allalinhorn dominieren hier klar die Szenerie, während Alphubel, Täschhorn und Dom nur in der Ferne über dem Egginerjoch erkennbar sind. Im Süden zeigt sich die unbekanntere Seite der Walliser Alpen: Hinter dem riesigen Schwarzberggletscher stehen Corno Rosso, Cresta di Stenigalchi und Corno Nero, etwas im Schatten ihrer die magische Marke von viertausend Metern überragenden Nachbarn.

Allalingletscher mit Namensgeber

Nach einer ausgiebigen Pause führt uns der Weg nun in deutlich alpineres Terrain. Aus dem bis hierher weiss-rot-weiss markierten Wanderweg wird ein weiss-blau-weisser Alpinwanderweg mit spürbar strengerem Charakter als der gemütliche Anstieg auf den Schwarzbergchopf. Durch schuttiges Gelände steigen wir ab in Richtung Allalingletscher und stehen schon bald fast unbemerkt auf dessen Toteis, das hier noch nahezu vollständig mit Geröll bedeckt ist. Die Betonung liegt auf fast, denn das Eis liegt gleichzeitig nur wenige Zentimeter unter der Oberfläche und manchmal auch offen, wie die vor uns gehende Frau auf schmerzhafte Weise erfährt. Glücklicherweise bleibt ihr Ausrutscher auf dem blanken Eis ohne ernste Folgen, und sie und ihr Begleiter setzen den Weg auf dem Glacier Trail fort.

Wir befinden uns nun fast auf Höhe des eigentlichen Gletschers und müssen noch einen geeigneten Übergang auf das griffige Eis finden. Das ist eine Aufgabe, die man nicht unterschätzen sollte und die den heikelsten Moment der Gletscherwanderung darstellen kann. Der Rand des Gletschers ist etwas steiler, und ohne Steigeisen wählt man seinen Weg hier besser mit Bedacht und Zurückhaltung. Hat man das Eis erst einmal erreicht, wartet je nach Lufttemperatur griffiges Gletschereis, und dem Weiterweg Richtung Norden zur bereits sichtbaren Britanniahütte steht nichts mehr im Weg.

Die Route über den Gletscher ist recht gut markiert, ein gewisses Mass an Orientierungsvermögen sollte man trotzdem mitbringen. Am Ende des Tages befindet man sich schliesslich auf einem weitläufigen Gletscher, dessen Markierungsstangen durch das Ausschmelzen gerne einmal umfallen. Auch die Fliessbewegung des Eises sorgt dafür, dass sich der Übergang auf und vom Gletscher laufend verändert und eine angepasste Routenwahl nötig macht. Bei schlechter Sicht darf man die Orientierung ebenfalls nicht unterschätzen.

Risse

Nach der Überquerung des Allalingletschers folgt eine anspruchsvollere Passage durch schuttiges und blockiges Gelände zu P. 2910, wo sich der kurze Übergang über den Hohlaubgletscher anschliesst. Wie lange man hier überhaupt noch über einen Gletscher gehen kann, sei dahingestellt. Im Jahr 2026 folgen wir aber nochmals dem griffigen Gletschereis Richtung der bereits gut sichtbaren Britanniahütte, die in der Scharte zwischen Klein Allalin und dem langgezogenen Gratrücken des Hinter Allalin mit kalten Getränken und gutem Hüttenkuchen auf uns wartet.

Zuvor wollen aber noch rund 170 Höhenmeter überwunden werden. Der Weg wird dabei mit jedem Meter besser und führt unter der Felswand mit dem Klettersteig zur Hütte auf 3'028 m. Die Britanniahütte ist eine der beliebtesten und meistbesuchten SAC-Hütten, entsprechend viel Bergvolk trifft man rund um die Hütte und auf dem nahen Hausberg Klein Allalin (3'070 m) an. Wer die Zeit hat, sollte sich auf der gemütlichen Terrasse eine Pause mit etwas zu Trinken und zu Essen gönnen, denn die Aussicht über den Saas Fee Glacier Trail sowie auf Strahlhorn, Fluchthorn, Rimpfischhorn und Allalinhorn ist zu schön, um sie einfach links liegen zu lassen. Der Mattmarkstausee liegt inzwischen in weiter Ferne, und man darf sich über die zurückgelegten Höhenmeter freuen, die uns über Allalingletscher und Hohlaubgletscher hierhergeführt haben.

Für den weiteren Verlauf müssen wir zunächst rund 150 Höhenmeter verlieren, die wir uns direkt im Anschluss wieder erarbeiten dürfen. Irgendwie müssen die Kalorien des Hüttenkuchens ja wieder abgebaut werden. Ab P. 2863 steigt der Wanderweg unter der Felswand des Egginer wieder Richtung des gleichnamigen Egginerjoch an, wo sich entscheidet: rund 20 Minuten querend zur Station Felskinn, oder 30 Minuten schuttiger Abstieg über ausgeschobene Rampen des Skigebiets hinunter nach Morenia.

Den vollständigen Abstieg nach Saas-Fee sollte man sich gut überlegen, denn es warten rund 1'400 wenig kniefreundliche Höhenmeter, die landschaftlich nur teilweise interessant sind. Wir haben uns bereits entschieden und gleiten wenig später zufrieden mit der Seilbahn ab Morenia hinunter nach Saas-Fee, im Kopf die Erinnerung an eine eindrückliche Wanderung über die Gletscher.

Informationen zur Route

Saas Fee Glacier Trail
T4 (E2)

Eindrückliche Wanderung über den Allalingletscher und den Hohlaubgletscher vom Mattmarkstausee zur Britanniahütte.

Zahlen & Fakten

Schwierigkeitsgrad

Ernsthaftigkeit

Markierung

Zeitbedarf

Aufstieg

Abstieg

Höchster Punkt

3'028 m (Britanniahütte)

Distanz

11 km

Region

SchweizWallis

Aktivität

Ab dem Mattmarkstausee folgt man dem gut markierten Wanderweg in Richtung Schwarzbergalp (2'373 m). Hier endet der Fahrweg und der bis zum Schwarzbergchopf weiss-rot-weiss markierte Wanderweg beginnt. Man folgt diesem bis zum Aussichtspunkt auf 2'869 m auf dem Schwarzbergchopf.

Ab hier wendet sich der nun weiss-blau-weiss markierte Alpinwanderweg in Richtung Allalingletscher. In Kehren steigt man durch Geröll (einzelne Markierungen und Stangen) hinab zum Gletscher (Ausrutschgefahr auf vereisten Passagen!). Der Übergang auf den Gletscher variiert je nach Gletscherstand und kann trickreich sein. In jedem Fall muss eine möglichst flache Stelle für den Übergang gefunden werden.

Auf dem Gletscher angekommen folgt man zunächst den Stangen in Richtung Westen, bevor nach rund 400 m eine langgezogene Kurve nach Nordwesten und Norden mehr oder weniger auf gleicher Höhe in Richtung nördlichem Ufer des Allalingletschers führt. Hier unübersichtlich durch Moränen und Gletscherschutt sowie Geröllfelder hindurch (Markierungen teilweise schwer zu finden). P. 2910 ist der nächste Anlaufpunkt, daneben befindet sich ein neu entstandener kleiner Gletschersee. Hier folgt der Übergang auf den Hohlaubgletscher, der ebenfalls anspruchsvoll sein kann, da der Gletscher eine gewisse Neigung aufweist und das glattgeschliffene Gestein am Rand rutschig sein kann. Den Gletscher in nordöstlicher Richtung überqueren und anschliessend zuerst weglos mit einigen Markierungen, später auf dem nun wieder besser erkennbaren Wanderweg unterhalb der Felswand der Hinner Allalin hindurch zur bereits gut sichtbaren Britanniahütte auf 3'028 m.

Ab der Britanniahütte folgt man dem Wanderweg zu P. 2863, wo sich der Weg verzweigt und ein Abstieg in Richtung Saas Almagell oder zum Berggasthaus Plattjen möglich ist. Nach Nordwesten haltend erreicht man das Egginerjoch (2'988 m), von wo aus man entweder gut markiert über ein Altschneefeld/Gletscherrest innerhalb von 20 Minuten die Bergstation Felskinn (2'989 m) erreicht oder absteigend nach Nordwesten die Bergstation Morenia (2'581 m).

Der Saas Fee Glacier Trail ist mit T4 bewertet. Hinzu kommen die Gletscherquerungen, wo trotz Markierungen auf Spalten geachtet werden muss.

Der Abstieg vom Schwarzbergchopf und der Übergang auf den Allalingletscher stellen die erste Schlüsselstelle dar. Das Gelände hinab zum Gletscher ist steil und man befindet sich bereits im Geröll auf dem Toteis, wodurch Abrutschgefahr besteht. Ebenso darf die Steinschlaggefahr nicht unterschätzt werden. Der eigentliche Übergang auf den Gletscher kann je nach Zustand anspruchsvoll sein und man sollte nicht zu früh auf das blanke Eis wechseln. Im flacheren Bereich am Ende des Weges gelingt der Übergang meistens einfacher.

Der Übergang auf den Hohlaubgletscher weist ebenfalls eine gewisse Steilheit auf und es können Spalten zwischen den Felsen und dem Eis existieren.

Die Gletscheroberfläche ist am besten zu begehen, wenn sie bereits durch ein wenig Sonne angetaut ist und dadurch griffiger wird. Bei sehr kalten Temperaturen und hartem Eis ist das Begehen deutlich anspruchsvoller und es können Grödeln oder Steigeisen notwendig werden.

Generell ist die Orientierung bei Nebel schwierig. Der Saas Fee Glacier Trail sollte daher nur bei guten Wetter- und Sichtbedingungen angegangen werden.

Markierung

Ab dem Abstieg zum Allalingletscher vom Schwarzbergchopf aus sind zusätzlich zu den weiss-blau-weissen Markierungen vereinzelte Stangen zu finden, insbesondere auf dem Gletscher. Diese sind nicht immer gut auszumachen und fallen aufgrund des Ausschmelzens auch gerne einmal um. Ein gutes Orientierungsvermögen ist daher unerlässlich, zusätzlich zu guten Sichtbedingungen.

Normale Wanderausrüstung. Bei guten Verhältnissen ist keine spezielle Gletscherausrüstung erforderlich. Lediglich bei tiefen Temperaturen und hartem Eis können Grödeln oder Steigeisen gute Dienste leisten.

Juli bis September. Wichtig ist, dass die Route und insbesondere der Gletscher schneefrei sind, da sonst Spalten überdeckt sein können und die Geröllpassagen ebenfalls sehr unangenehm sein können. Im Abstieg nach dem Schwarzbergchopf sollte auf Wassereis acht gegeben werden (Ausrutschgefahr).

Anfahrt

Anreise mit dem Postauto ab Visp oder per PKW via Saas Almagell.

Ausgangspunkt

Ausgangspunkt ist die Mattmark-Staumauer auf 2'205 m Höhe. Sie kann entweder komfortabel mit dem Postauto (empfehlenswert aufgrund des unterschiedlichen Start- und Zielpunktes für den Saas Fee Glacier Trail) oder per PKW erreicht werden.

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Gut zu wissen

Eindrückliche Wanderung mit Querung von zwei Gletschern unterhalb des Allalinhorns

Zwischenstopp in einer der beliebtesten SAC-Hütten, der Britanniahütte

Start an der riesigen Mattmark-Staumauer, Schauplatz des tragischen Unglücks im Jahr 1965

Knieschonende Abfahrt nach Saas Fee mit der Seilbahn ab Felskinn oder Morenia

Datum der Informationen

September 2026

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Über Falko Burghausen

Falko Burghausen

Falko ist ganzjährig in den Bergen zuhause, ob auf Hochtouren, beim Klettern, auf Tourenski, im Eis oder auf alpinen Trails. Im Winter zieht es ihn als Swiss Snowsports Schneesportlehrer zusätzlich auf die Langlaufloipe. Als Swiss Athletics Trailrunning Instructor bringt er dir effizienten, sicheren und flowigen Laufstil näher und befindet sich parallel in der Ausbildung zum UIMLA Bergwanderführer beim VDBS. Ausgestattet mit seiner Kamera hält er als mehrfach international ausgezeichneter Fotograf die grossen Momente des Draussenseins fest – voller Emotion, Weite und echter Abenteuerlust.

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