Tag 1: Schwarzsee, Ostwand, Hörnligrat
Wir treffen uns am Vormittag in Zermatt und fahren mit der Seilbahn über Furi hinauf nach Schwarzsee auf 2583 Metern. Hier oben liegt der kleine See mit der Kapelle Maria zum Schnee, und von hier an geht es zu Fuss.
Der Hörnliweg zieht in weiten Kehren über die Südostflanke hinauf. Er ist ein Bergwanderweg, aber kein gemütlicher: steil, steinig, an einzelnen Stellen ausgesetzt, und im oberen Teil mit Ketten und Seilen gesichert. Dafür wird der Berg mit jedem Schritt grösser. Die Ostwand ragt über dir auf, und irgendwann siehst du den Hörnligrat zum ersten Mal so, wie ihn die Seilschaften sehen: als eine Linie, die sich im Fels verliert.
Unterwegs bleibt viel Zeit zum Stehenbleiben. Ich erzähle dir, warum das Matterhorn diese Pyramidenform hat und aus welchen zwei Kontinentalplatten es zusammengesetzt ist, was am 14. Juli 1865 am Gipfel und danach auf dem Abstieg passierte, und wie aus einem unbestiegenen Berg innerhalb weniger Jahre das Wahrzeichen der Schweiz wurde.
Am frühen Nachmittag erreichen wir die Hörnlihütte auf 3260 Metern. Zimmerbezug, Tee auf der Terrasse, und dann einfach sitzen und schauen. Von hier aus siehst du über das ganze Mattertal hinweg bis zum Weisshorn und zur Dent Blanche, und wenn die Sonne tiefer steht, färbt sich der ganze Talkessel.
Das Abendessen ist früh, denn die meisten Gäste hier sind Seilschaften, die um drei Uhr nachts aufstehen. Das Haus wird entsprechend zeitig still. Das ist ungewohnt und gehört zum Erlebnis.
Rund 3,5 Kilometer, etwa 700 Höhenmeter, zweieinhalb bis drei Stunden Gehzeit.
Tag 2: Stirnlampen, Nordwand, Abstieg
Irgendwann zwischen drei und vier Uhr wird es im Haus laut. Die Seilschaften frühstücken und ziehen los. Wer mag, steht auf, geht hinaus in die Kälte und schaut ihnen nach: eine Kette aus kleinen Lichtern, die sich langsam den Grat hinaufschiebt, darüber der Sternenhimmel. Für viele ist das der Moment, an den sie sich später erinnern.
Danach kann man nochmal ins Bett, bis der Sonnenaufgang kommt. Nach dem Frühstück steigen wir ab, aber nicht denselben Weg zurück. Wir gehen auf der Nordseite hinunter, und dort öffnet sich der Blick auf die Matterhorn-Nordwand. Zusammen mit der Eiger-Nordwand und der Nordwand der Grandes Jorasses gehört sie zu den drei grossen Nordwänden der Alpen, und sie sieht aus wie etwas, das eigentlich nicht erklettert werden sollte. Von unten wirkt sie noch grösser.
Weiter über die Alpweiden hinunter nach Furi auf 1867 Metern, mit dem Berg im Rücken, der jetzt wieder langsam zur Silhouette wird. Von Furi fahren wir mit der Bahn ins Dorf.
Wer noch Lust und Beine hat, nimmt stattdessen die längere Variante über Zmutt, einen alten Weiler mit dicht gedrängten, sonnengeschwärzten Holzhäusern, in dem die Zeit stehengeblieben zu sein scheint. Von dort zu Fuss bis Zermatt. Das entscheiden wir am Morgen, je nach Verfassung und Wetter, und es kostet nichts extra.
Rund 11 Kilometer bis Furi, etwa 1400 Höhenmeter im Abstieg, vier bis fünf Stunden. Über Zmutt rund 14 Kilometer und fünf bis sechs Stunden.