Wanderung zum Col des Roux

Wanderung zum Col des Roux

Über die Cabane de Prafleuri zum Pass mit Steinböcken und Blick auf den Lac des Dix

Author: Falko Burghausen
Falko Burghausen
StoriesOktober 2026

Die Rundwanderung zum Col des Roux führt ab der Grande Dixence über die Cabane de Prafleuri hinauf auf 2'804 m, vorbei an Steinböcken und Gämsen, mit freiem Blick auf den Lac des Dix und den Mont Blanc de Cheilon. Eine abwechslungsreiche Hochgebirgswanderung im Val des Dix, technisch unkompliziert, konditionell genau richtig.

Der Ausgangspunkt dieser Rundwanderung lässt sich kaum eindrücklicher wählen: direkt an der Krone der Grande Dixence, mit 285 m die höchste Staumauer der Welt, die den türkisblauen Lac des Dix im Val des Dix zurückhält. Schon der Weg dorthin macht klar, dass hier oben alles eine Nummer grösser ist als anderswo in den Walliser Alpen.

Das erste, was mir ins Auge fällt, ist allerdings nicht die Staumauer selbst, sondern das einigermassen hässliche Gebäude an ihrem Fuss: ein grauer Betonwürfel, gefühlt völlig überdimensioniert. Historisch betrachtet wird er schon seinen Sinn haben, dass er genau hier steht. Für die Wanderung zum Col des Roux ist das allerdings nur von untergeordneter Bedeutung, denn schon kurz nach dem Start liegt der Fokus einzig auf der unglaublichen Masse der Mauer selbst.

Grande Dixence

Rund 250 Höhenmeter warten nun auf mich, bevor ich die Staumauer erreiche, eine Distanz, die sich theoretisch auch mit der kleinen Seilbahn abkürzen liesse. Die winzige Gondel bringt die Besuchenden im 10-Minuten-Takt hinauf zur Mauerkrone auf 2'376 m. Wer hier ankommt, ob zu Fuss oder mit der Bahn, sollte sich ein paar Minuten für einen Abstecher auf das Bauwerk nehmen, bevor es auf dem Weiterweg in die Combe de Prafleuri den See erst einmal hinter sich lässt. Spätestens ab hier hat man die meisten anderen Touristen abgehängt, und nach einem kurzen Abstieg auf den Talboden warten weitere 300 Höhenmeter hinauf zur Cabane de Prafleuri (2'662 m). Der Grund für den kurzen Umweg nach unten ist der "neue" Wanderweg, der aus einer steinschlaggefährdeten Zone verlegt wurde und nun weiter von der südlichen Talflanke entfernt verläuft. Während die Steinschlaggefahr so weitgehend entschärft ist, sollte man in diesem Gebiet auf Herdenschutzhunde achten, die innerhalb der Schafherden kaum erkennbar sind und ihr Revier durchaus zu verteidigen wissen.

Steil steige ich neben einem kleinen Bachlauf hinauf, das Rauschen des Wassers ist die einzige Geräuschquelle, die hier noch zu hören ist. Auf gut 2'500 m stosse ich wieder auf den alten Weg und quere nun unter einer Felswand entlang in Richtung des oberen Talbodens bei P. 2623. Heute habe ich Glück, der Weg ist trocken und eisfrei. Im Frühling kann es hier durchaus heikel werden, wenn Teile des Wegs noch vereist sind. Die letzten Meter hinauf zur Cabane de Prafleuri sind schnell erledigt, und die riesige, ebene Fläche vor der Hütte lädt zu einer Pause ein.

Die Cabane de Prafleuri ist eine klassische SAC-Hütte mit Platz für knapp 60 Personen und liegt mitten auf dem sogenannten Steinbockweg, was sich im Hüttenlogo mit seinem prominenten Steinbock auch gleich widerspiegelt. Bewartet ist sie von Juli bis September sowie im April für die Skitourensaison, dazwischen steht ein Winterraum offen zur Verfügung. Die Küche ist hier übrigens meist vegetarisch und, wenn man den Berichten glauben darf, erstaunlich gut.

Nach einer kurzen Pause nehme ich die verbleibenden 150 Höhenmeter hinauf zum Col des Roux in Angriff. Über ein Geröllfeld gelange ich schnell zu den Serpentinen des Wanderwegs, der nun stetig nach oben führt und mich in rund 30 Minuten ab der Hütte in den Passübergang bringt. Die letzten Meter sollte man wirklich geniessen, öffnet sich doch nun der Blick auf den Lac des Dix und die dahinterliegenden Berge rund um den Mont Blanc de Cheilon (3'870 m) und den Pigne d'Arolla (3'787 m).

Steinböcke am Col des Roux

Mit etwas Glück lassen sich hier im Bereich des Col des Roux (2'804 m) Steinböcke und Gämsen beobachten, die in dieser Gegend regelmässig unterwegs sind: Die Steinböcke meist in kleinen Gruppen auf den felsigeren Hängen, Gämsen eher einzeln oder zu zweit in den steileren, grasbewachsenen Partien. Wer hier keinen Erfolg hat, bekommt im Abstieg rund um P. 2730 nochmals eine Gelegenheit und sollte die Augen offen halten, am ehesten in den ruhigen Morgen- und Abendstunden, wenn die Tiere aktiver sind.

Ungeachtet der Tierwelt gleitet der Blick aber immer wieder über den riesigen Stausee und bleibt unweigerlich an den eisigen Bergen im Hintergrund hängen. Neben dem Pigne d'Arolla reihen sich hier Mont Blanc de Cheilon, La Ruinette und La Luette auf, der Glacier de Cheilon sucht sich seinen Weg hinab ins Tal. Die Cabane des Dix ist von hier aus nicht erkennbar, sie thront auf einem kleinen Hügel etwas hinter dem Tête Noire.

Der Abstieg vom Col des Roux ist kurzweilig und führt mich in relativ kurzer Zeit hinunter zur Cabane des Ecoulaies auf 2'575 m. Die kleine Privathütte gehört dem Ski-Club Euseigne und liegt irgendwo zwischen bewarteter und unbewarteter Hütte: An Wochenenden von Mitte Juli bis Ende September kümmert sich ehrenamtliches Personal um das Nötigste, Verpflegung muss man aber in jedem Fall selbst mitbringen. Für eine kurze Rast am Wegrand reicht das allemal.

Danach verläuft der Weg fotogen auf einem Rücken direkt hinunter auf die Wasseroberfläche zu, touchiert einen kleinen Wasserfall und endet auf dem breiten Wanderweg am Ufer des Sees entlang.

Hier beginnt der technisch einfachste Teil, der aber aufgrund mehrerer, teils langer Tunnel nicht weniger abwechslungsreich ist. Dank elektrischer Beleuchtung im längsten Tunnel ist auch das kein Problem, und nicht allzu viel später erreiche ich wieder die Staumauer, an der meine Rundwanderung über den Col des Roux vor einigen Stunden begonnen hat. Den Abstieg nehme ich wieder zu Fuss in Angriff, obwohl man auch hier die knieschonendere Variante mit der Seilbahn wählen könnte.

Informationen zur Route

Col des Roux
T3 (E1)

Kurzweilige und einfache Wanderung ab dem Lac des Dix, die auch im Herbst noch gut machbar ist und mit etwas Glück mit Steinbocksichtungen einhergeht.

Zahlen & Fakten

Schwierigkeitsgrad

Ernsthaftigkeit

Markierung

Zeitbedarf

Aufstieg

Abstieg

Höchster Punkt

2'804 m

Distanz

10 km

Region

Schweiz – Wallis

Aktivität

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Zustieg ab Le Chargeur

Von der Talstation der kleinen Seilbahn aus wählt man den markierten Wanderweg, der direkt hinter dem grossen Gebäude beginnt und in vielen Serpentinen direkt neben der Staumauer hinauf führt. Mit dieser Variante, die ca. 250 zusätzliche Höhenmeter bedeutet, kann man etwas unterhalb der Bergstation rechts auf einen weiss-rot-weiss markierten Weg abbiegen und in Richtung P. 2408 aufsteigen. Von dort aus kurz zurück nach Süden, bevor man auf den Wanderweg in Richtung Cabane de Prafleuri gelangt.

Ab der Bergstation der Seilbahn

Man geht zur Staumauer und folgt dem breiten Wanderweg westlich des Sees für wenige Meter, bis rechts (Westen) der Wanderweg in Richtung Cabane de Prafleuri abzweigt. Diesem folgend in einigen breiten Kehren hinauf zu P. 2436.

Aufstieg zur Cabane de Prafleuri und zum Col des Roux

Ab P. 2436 folgt man dem Wanderweg auf eine kleine Geländeterrasse und danach leicht absteigend hinab zu P. 2358. Nicht den Spuren des alten Wanderweges links folgen, dieser ist aufgrund Steinschlaggefahr nicht mehr begehbar! Kurz vor P. 2358 besteht die Möglichkeit, südlich auf einer alten Moräne einige Abstiegshöhenmeter abzukürzen.

Nun dem Weg folgen, bis man auf ca. 2530 m wieder auf die Trasse des alten Weges trifft. Nun auf einem breiten Band, zum Teil auf Geröll, hinauf auf den Boden bei P. 2623. Dieser Teil des Weges ist bei Schnee und insbesondere Vereisung heikel und absturzgefährdet. Ab P. 2623 einfach in fünf Minuten zur Hütte hinauf.

Von der Hütte aus folgt man dem Weg in südlicher Richtung über ein paar kurze Blockfelder. Man erreicht eine Art Moräne und benutzt ab hier den Weg in mehreren Serpentinen hinauf auf den 2'804 m hohen Passübergang des Col des Roux.

Abstieg zum Lac des Dix

Vom Col des Roux steigt man einfach über abwechslungsreiches Gelände hinab zur kleinen Cabane des Ecloulaies (2'575 m). Bei P. 2562 wendet sich der Weg nach Osten und über einen fotogenen Geländerücken wandert man nun hinab bis auf die breite Alpstrasse am Ufer des Lac des Dix. Dieser nach Norden folgend durch mehrere, teilweise beleuchtete Tunnel zurück zur Staumauer und optional über den Aufstiegsweg wieder hinab zu Le Chargeur.

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Die Wanderung ist mit T3 eingestuft. Nach der Cabane de Prafleuri sind ein paar kurze blockige Passagen zu überwinden, die aber bei trockenen Verhältnissen problemlos machbar sind.

Die Traverse im Aufstieg unterhalb von P. 2623 ist bei Nässe und insbesondere Vereisung oder Schnee heikel und teilweise absturzgefährdet. Hier sollte auf trockene Bedingungen und/oder geeignete alpine Ausrüstung geachtet werden.

Juni bis Oktober. Entscheidend ist die Öffnungszeit der Strasse zur Grande Dixence sowie im Frühjahr und Herbst die Schneelage im Aufstieg zur Cabane de Prafleuri.

Anfahrt

Mit dem PKW oder dem Postauto über die kurvenreiche Strasse von Sion aus ins Val d'Hérens und dann ins Val d'Hérémence. Es gibt ausreichend Parkplätze am Fuss der Staumauer.

Ausgangspunkt

Ausgangspunkt ist Le Chargeur auf 2'138 m Höhe am Fuss der Staumauer der Grande Dixence.

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Gut zu wissen

Eindrückliche Ausblicke vom Col des Roux auf die hohen Dreitausender rund um den Pigne d'Arolla und Mont Blanc de Cheilon

Mit etwas Glück lassen sich im Bereich des Col des Roux Steinböcke und Gämsen beobachten

Einkehrmöglichkeit in die Cabane de Prafleuri während der Sommersaison

Datum der Informationen

Oktober 2026

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